Durch Anklicken von „Allen Cookies zustimmen“ erlauben Sie, dass Cookies auf Ihrem Computer gespeichert werden, damit die Navigation und Analyse der Seitenbenutzung verbessert und Marketingaktivitäten unterstützt werden. Sieh Dir die Datenschutzerklärung für mehr Informationen an.
zurück

Vor ein paar Tagen habe ich wieder eines dieser wunderbaren Gespräche mit einer Reife Macht Leaderin geführt. Eine großartige Frau, die eine große erfolgreiche Stiftung aufgebaut hat.

„Es war schon einfach viel Glück im Leben. Aber Glück gehört im Leben auch dazu, und wenn man es nicht nimmt, ist man blöd. Und wenn man das Glück nutzt, denke ich, hat man es auch ein Stück verdient.“

Fast alle Reife Macht Leader, mit denen ich spreche, erzählen von dem vielen Glück, das sie von Station zu Station gebracht hat. Immer weiter.

Und fast im gleichen Atemzug negieren sie die Existenz eines Masterplans.

Das ist kein Zufall.

Denn was ihre Karrieren trägt, ist nicht das Glück.

Es ist die ihre Fähigkeit, es in Wirksamkeit zu verwandeln.

Jim Collins nennt das den 𝗥𝗲𝘁𝘂𝗿𝗻 𝗼𝗻 𝗟𝘂𝗰𝗸,den ROL, und dieser Blogartikel zeigt dir, wie du deinen ROL optimierst. Und was dich möglicherweise davon abhält.

Return on Luck

Jim Collins und Morten T. Hansen haben das Thema Glück erstmals in ihrem Buch „Great by Choice“ untersucht. Sie wollten verstehen, warum einige Unternehmen unter anhaltender Unsicherheit florieren – und vergleichbare Unternehmen unter genau denselben Bedingungen scheitern.

Ein eigenes Kapitel widmen sie der Frage, welche Rolle Glück dabei spielt. Mit einem überraschenden Ergebnis.

Doch erst einen Schritt zurück: Was ist eigentlich ein Glücksereignis? Collins und Hansen nennen drei Merkmale:

  • Ein bedeutsamer Teil des Ereignisses geschieht unabhängig vom Handeln der Beteiligten.
  • Es hat potenziell erhebliche Folgen – gute oder schlechte.
  • Und es hat ein Element von Unvorhersehbarkeit.

Das Überraschende: Die erfolgreichen Unternehmen hatten nicht mehr gutes Glück. Nicht weniger Pech. Nicht früher Glück. Und ihr Erfolg beruhte auch nicht auf einem einzelnen großen Glücksfall.

Was sie unterschied: Sie waren weitaus besser darin, die Chancen, die sich ihnen boten, mit voller Konsequenz zu ergreifen.

„The critical question is not, Will you get luck? but What will you do with the luck that you get?“

Jim Collins

Jim Collins nennt das den Return on Luck, den ROL: Die Frage ist nicht, ob du Glück hast, entscheidet. Sondern was du damit machst.

Was Collins offen lässt: warum das manchen gelingt und anderen nicht.

Genau da setzen meine Interviews an. Der fehlende Masterplan ist nicht die Ursache des Glücks – aber er ist seine Bedingung. Wer sich beweisen muss, kann seinen Plan nicht loslassen. Denn die Planerfüllung ist der Beweis.

Ich sehe drei Bewegungen. Und an jeder von ihnen kann es haken.

3 Schritte zur Optimierung des ROL

Um ein Glücksereignis wirklich zu nutzen, braucht es drei Schritte.

Schritt #1: Ich nehme das Glücksereignis wahr.

Glücks- und Pechmomente sind im Leben erfolgreicher und weniger erfolgreicher Menschen ziemlich gleich verteilt. Genau das haben Collins und Hansen gemessen. Relevant wird ein solcher Moment erst, wenn du ihn als solchen erkennst. In seinem neuen Buch „What to Make of a Life“ (2026) unterscheidet Collins drei Arten von Glück.

Die erste Art ist das „What luck“: Eine Möglichkeit öffnet sich, die vorher nicht da war. Eine Anfrage, eine Ausschreibung, ein Markt, der sich auftut. Auch das höre ich immer wieder:

„Und dann war es ein reiner Zufall, dass ich mich hier auf eine Stellenausschreibung beworben habe – und das war ein absoluter Glücksfall.“

Das What luck verlangt einen offenen Blick in die Welt. Wer einen sehr genauen Masterplan hat und nicht mehr rechts und links schaut, übersieht diese Art von Glück.

Die zweite Art ist das „Zeit luck“ (ja, so nennt er es dort wirklich – im Sinne von Zeitgeist): den richtigen Moment treffen. Nutzen, dass gerade etwas dran ist. Manchmal ist der Moment einfach reif. Ein schmales Fenster öffnet sich.

„Ich glaube, dass ich Glück hatte, dass das so eine Dekade war, wo (...) das passte."

Wenn ich auf die Glücksereignisse in meinem Leben schaue, waren es vor allem What und Zeit luck. Als ich in meinem ersten Job unzufrieden war, folgte ich einer Stellenausschreibung der Telekom – ganz am Anfang der Deregulierung im Telekommunikationsmarkt. Ich fand die Stelle spannend. Ich hatte keine Ahnung, was dieser Wechsel noch alles ermöglichen würde. Vier Jahrespäter wollte ich in die Beratung, und die Deregulierung war für alle Beratungen der „Hot Shit“. Ich konnte mir das perfekte Umfeld aussuchen.

Wo ich weniger gut war – und was bei den Reife Macht Leadern der größte Treiber ist: das „Who luck“. Ihr Glück hat fast immer ein Gesicht. Der Mensch, der anruft, der ihnen eine Chance gibt. Der mächtige Vorstand, der einen Narren an mir gefressen hat. Die gut vernetzte Mentorin.

So klingt das in den Interviews

  • „Ich bin eigentlich immer gefragt worden, was anderes zu machen.“
  • „…,dass Menschen in mir etwas gesehen haben und mir dann Chancen gegeben haben.“
  • „Der hatte Gefallen an mir gefunden, so wie ein Herrscher an einem Narren.“

Das Who luck verlangt, dass du in Kontakt bist. Dass du dich zeigst mit dem, was du bist. Wer dich nicht kennt, kann dich nicht entdecken.

Egal um welche Art es geht – alle drei verlangen einen offenen Blick. Rausgehen. In Kontakt sein. Sich zeigen. Und das alles, ohne festgelegt zu sein. Denn jede Festlegung, jeder Tunnelblick verkleinert die Zahl der Glücksereignisse, die du überhaupt wahrnimmst.

Und schon ist der Moment vorbeigezogen.

Frage an dich: Wie offen ist dein Blick für die Chancen, die dir die Welt bietet? Wie gut bist du darin, dein stilles Kämmerlein zu verlassen und die Möglichkeiten wahrzunehmen?

Schritt #2: Ich lasse mich auf das Glücksereignis ein.

Sehen reicht nicht. Du musst zupacken.

Hier kommt mir das Bild des griechischen Gottes Kairos in den Sinn – der Gott des rechten Augenblicks. Er wird als junger Mann dargestellt, mit einer langen Locke über der Stirn und einem kahlen Hinterkopf. Solange er auf dich zukommt, kannst du ihn an der Locke fassen. Ist er vorbei, gleitet deine Hand am kahlen Hinterkopf ab.

Die Gelegenheit beim Schopfe zu packen. Das ist keine Metapher. Das ist eine Bildbeschreibung. Oder wie die Stiftungsgründerin es sagt:

„Glück gehört im Leben auch dazu, und wenn man es nicht nimmt, ist man blöd.“

Doch es reicht nicht, entschlossen zuzupacken. Du musst auch festhalten. Und genau hier stehen wir uns oft selbst im Weg.

Da sind die Menschen, die zu sehr auf ihren Masterplan fokussiert sind. Glücksereignisse sind aber weder planbar noch messbar. Sie brauchen die Flexibilität, sich auf etwas Neues einzulassen.

Dann gibt es die, die begeistert auf jedes Glücksereignis springen, es aber nicht festhalten können. Zu attraktiv ist die nächste grüne Wiese. Sie lassen los, sobald etwas scheinbar Attraktiveres auftaucht.

Und schließlich gibt es die, die ihre eigene Wirksamkeit spüren müssen. Die es irritiert, etwas anzunehmen, das sie nicht selbst geschaffen haben. „Das habe ich nicht verdient. Das kann nicht wahr sein.“

Wer meine Arbeit kennt, erkennt hier die drei Schutzmuster wieder: Kämpfen, Flüchten, Erstarren.

Und schon ist Kairos weitergelaufen.

Frage an dich: Wie gut kannst du dich auf Glücksereignisse einlassen? Wie leicht fällt es dir, deine Pläne anzupassen? Wie oft trauerst du Möglichkeiten nach, die du hast liegen lassen?

Schritt #3: Ich setze alles ein, um etwas daraus zu machen.

Glück ist der Anfang. Erfolg ist, was du daraus machst. Und das kostet deinen vollen Einsatz. Das Glück ist mit den Tüchtigen? Nein. Das Glück ist ziemlich gleich verteilt. Was die Tüchtigen unterscheidet, ist, was sie daraus machen.

„Getting a high return on luck requires throwing yourself at the luck event with ferocious intensity, disrupting your life and not letting up.“

Jim Collins / Morten T. Hansen

Einer meiner Gesprächspartner hat mir eine Szene erzählt, die das auf den Punkt bringt. Ein Unternehmer wollte ihn kennenlernen – ein erstes, unverbindliches Gespräch. Er ging nicht als Kandidat hin. Er ging mit einem fertigen Konzept hin: was aus dem Produkt zu machen wäre, wie es zu positionieren ist, wie man darüber sprechen muss. Der Unternehmer war geflasht.

„So habe ich immer gearbeitet: Tu mehr als von dir erwartet. Versuche, überzuerfüllen.“

Die Einladung war Glück. Was daraus wurde, war das Ergebnis penibler Vorbereitung.

Und hier hakt es zum dritten Mal. Bei denen, die zu packen – und dann stehen bleiben. Die glauben, das Glück arbeite jetzt für sie. Es tut es nicht. Kairos steht auf einer Kugel. Er rollt weiter, ob du etwas tust oder nicht.

Wenn du das Glück gefasst hast, ist es deine Sache, was daraus wird. Dann heißt es: ran an die Buletten. Alles tun, was nötig ist, damit aus einem glücklichen Moment etwas Tragfähiges wird.

Und mit dieser Anstrengung wird aus einem Glücksereignis nachhaltiges Glück. Du hast eine Chance bekommen – und etwas daraus gemacht. Das ist Return on Luck in Reinkultur.

„Wenn du dich anstrengst, kannst du auch extrem erfolgreich sein. Und das geht einher mit dem Glücksgefühl.“

Eines noch, damit hier kein Versprechen entsteht. Ein anderer Gesprächspartner sagte den ehrlichsten Satz zu diesem Thema:

„Ich habe mal meine Möglichkeiten ausgeschöpft – und es hat vielleicht nicht gereicht.“

Voller Einsatz ist die Bedingung. Nicht die Garantie.

Frage an dich: Wann hast du zuletzt einen Glücksmoment in etwas Tragfähiges verwandelt?

Glück braucht innere Freiheit

Ja, Reife Macht Leader haben viel Glück im Leben. Nicht weil ihnen mehr zufällt. Sondern weil sie unbewusst Meister darin sind, ihren Return on Luck zu optimieren. Und dann kommt noch etwas hinzu, dass keiner so benennen würde: sie müssen sich nicht immer wieder selbst beweisen. Ihnen darf auch einfach mal etwas in den Schoß fallen

Wer seine Karriere als Beweis braucht, kann nicht sagen: Da hatte ich einfach Glück. Dieses demütige Eingeständnis würde die eigene Leistung entwerten.

Wer sich nicht beweisen muss, kann beides genießen: die Ergebnisse aus harter, eigener Arbeit und die wunderbaren Glücksereignisse, die einfach dazukommen.

Das ist keine Bescheidenheit. Das ist innere Freiheit. Und dann stimmt, was die Stiftungsgründerin am Anfang gesagt hat:

Wer sein Glück nutzt, hat es sich auch ein Stück verdient.

Wo hast du gerade Glück — und was machst du daraus?