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Karneval steht vor der Tür. Fünfte Jahreszeit, Ausnahmezustand, kontrollierter Kontrollverlust.  Die meisten lesen das Rheinische Grundgesetz als humoristischen Brauchtums-Kitsch.

Ich lese es als Handbuch Reifer Macht.

Wer Verantwortung trägt, weiß: Reife Macht ist keine Technik, die man anwendet. Sie ist die Fähigkeit, der Wirklichkeit stand zuhalten, ohne sich selbst zu verlieren. In der Macht bedeutet das: Nicht in den Kampf gehen, nicht flüchten, nicht erstarren. Sondern bleiben.

Reife Macht ist eine Haltung, die sich in der Reibung mit der Realität beweist. Das Rheinische Grundgesetz mit seinen 11 Artikeln beschreibt genau diese Haltung: Lakonisch, unaufgeregt, wirksam.

Eine Einladung, deine Macht unter den Bedingungen der Realität neu zu verankern - und das mit viel Humor.

Die 11 Artikel des Rheinischen Grundgesetzes

Das Rheinische Grundgesetz ist eine über Generationen gewachsene Sammlung von Lebensweisheiten.

Was oft als bloße Folklore oder Kneipen-Humor abgetan wird, ist bei genauerem Hinsehen ein Destillat gelebter Krisenfestigkeit. Es ist die kollektive Antwort einer Region, die gelernt hat, mit Brüchen, Besatzungen und Veränderungen umzugehen, ohne die eigene Gestaltungsmacht zu verlieren.

Reife Macht ist oft schwere Kost – doch diese 11 Artikel zeigen, mit welcher Leichtigkeit wir sie leben können. Die Prise Humor ist hier keine Flucht, sie ist gelassene Souveränität in R(h)einkultur.

Hier sind die 11 Artikel – neu gelesen für Menschen mit Macht.

Artikel 1: Et es wie et es.

Es ist, wie es ist.

Das Ende des Selbstbetrugs.

Reife beginnt dort, wo du aufhörst, mit der Realität zu verhandeln oder sie innerlich weich zu zeichnen. Wer die Dinge erst einmal so annimmt, wie sie sind, gewinnt die notwendige Bodenhaftung, um sie tatsächlich zu gestalten. Alles andere ist Energieverschwendung im Widerstand gegen das Unvermeidbare.

Artikel 2: Et kütt wie et kütt.

Es kommt, wie es kommt.

Du kontrollierst nicht die Zukunft - du kontrollierst deine Ver-Antwortung.

Reife Führung wartet nicht auf die perfekte Sicherheit, bevor sie sich bewegt, sondern vertraut auf die eigene Präsenz im Moment. Sie entscheidet unter Unsicherheit und trägt das Ergebnis – ohne Ausrede und ohne den Schutz einer Rechtfertigung.

Artikel 3: Et hätt noch immer jot jejange.

Es ist noch immer gut gegangen.

Kein billiger Optimismus, sondern das Wissen um die eigene Tragfähigkeit.

Wahre Souveränität wächst nicht aus der Abwesenheit von Gefahr, sondern aus der Erfahrung, Krisen ohne Integritätsverlust durchstanden zu haben. Es ist die Gewissheit, dass dein inneres Fundament auch dann hält, wenn alle äußeren Stricke reißen und deine bisherigen Strategien an ihr Limit stoßen.

Artikel 4: Wat fott es, es fott.

Was weg ist, ist weg.

Reife Macht bindet keine Energie an die Geister der Vergangenheit.

Jeder Blick zurück, der mit Reue oder Vorwurf geführt wird, entzieht dir im die notwendige Kraft. Wahre Souveränität zeigt sich im radikalen Abschluss: Wer loslässt, gewinnt den Raum und die Aufmerksamkeit zurück, um im Hier und Jetzt wirklich wirksam zu sein.

Artikel 5: Et bliev nix wie et wor.

Es bleibt nichts, wie es war.

Nüchterne Realitätsbeschreibung statt verzweifelter Appell.

Reife Führung klammert sich nicht an vermeintliche Stabilitäten, die längst keine mehr sind. Sie kämpft nicht gegen den Wandel, sondern bleibt in der Bewegung präsent und nutzt die neue Realität als gestaltbare Fläche.

Artikel 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.

Kennen wir nicht, brauchen wir nicht.

Das ist angewandte Unterscheidungsfähigkeit und Schutz vor dem Rauschen der Welt.

Nicht jeder Trend verdient deine Aufmerksamkeit. Wahre Souveränität zeigt sich im Mut zum Nein, ohne die Angst, etwas Wesentliches zu verpassen.

Artikel 7: Wat wellste maache?

Was willst du machen?

Die Antwort auf das Unabänderliche.

Nicht alles ist lösbar, gerecht oder fair, aber alles fordert eine Haltung von dir. Reife antwortet der Situation mit dem, was möglich ist, statt die eigene Energie im Beklagen des Unmöglichen zu verbrennen.

Artikel 8: Maach et god, ävver nit zo off.

Mach es gut – aber nicht zu oft.

Selbstausbeutung ist kein Ehrenabzeichen, sondern ein Zeichen mangelnder Selbstführung.

Wer dauerhaft die Führung übernehmen will, muss sich selbst regulieren, statt sich im Aktionismus zu verlieren. Qualität braucht den Moment des Innehaltens, damit Macht nicht zur bloßen Anstrengung verkommt.

Artikel 9: Wat soll dä Kwatsch?

Was soll der Unsinn?

Die Frage, die Wesentliches von Lärm trennt.

Reife Systeme verheddern sich nicht in Nebenschauplätzen oder strategischen Alibis. Sie reduzieren die Komplexität auf den Kern dessen, was wirklich zählt – und handeln dann konsequent aus dieser Mitte heraus.

Artikel 10: Drinks de eine met?

Trinkst du einen mit?

Macht trägt man nicht allein, auch wenn die Rolle oft einsam macht.

Wer glaubt, Autarkie sei der Preis der Führung, wird unweigerlich rigide oder taub. Reife braucht die Begegnung auf Augenhöhe als notwendiges Korrektiv, um die eigene Wahrnehmung immer wieder an der Resonanz anderer zu eichen.

Artikel 11: Do laachs de disch kapott.

Da lachst du dich kaputt.

Humorist der radikale Perspektivwechsel unter Druck.

Wer über die eigene Fehlbarkeit lachen kann, ohne zynisch zu werden, behält den entscheidenden inneren Spielraum. Es ist dieser Raum, der darüber entscheidet, ob deine Macht das System erstickt oder es atmen lässt.

Viel Spaß bei der Umsetzung!

Und nun zu Dir!

Ich lade dich ein, die Karnevalstage für eine nüchterne Inventur zu nutzen. Nicht als Übung, sondern als Standortbestimmung deiner eigenen Reife.

  • Welcher dieser Artikel löst bei dir den stärksten Widerstand aus und wo weist du diese Erkenntnis gerade noch von dir?
  • Wo nennst du es in deinem Umfeld noch „Optimismus“, obwohl es längst eine Realitätsverweigerung ist, die deine Führung behindert?
  • In welchen Momenten flüchtest du dich in Kontrolle oder Aktivismus, weil du die unmittelbare Reaktion deines Gegenübers oder die Stille im Raum nicht aushältst?
  • Was kostet es dein System, wenn du nicht in die volle Verantwortung gehst, sondern darauf wartest, dass die Umstände sich von selbst korrigieren?

Klarheit ist eine Zumutung. Sie ist aber auch der einzige Boden, auf dem reife Macht wachsen kann.